1. Judo-Verein Langen e.V.
>> JVL > Berichte > 2002 > WWW.IPPON.ORG   ¦   << Nikolaus-Turnier <<   ¦   >> Index >>
>> Impressum
Stand: 4.1.2008
© 2003 JVL.

Mail an den  Webmaster

www.ippon.org - das Judo-Informationssystem im Internet

(Bericht aus Judo Magazin 11/02)

Seit 2001 können sich Judofans auf aller Welt auf www.ippon.org über den Verlauf großer internationaler Turniere informieren. Gert Langrock sprach mit Matthias Fischer und Marc Hampel, den beiden Machern des Turnierinformationssystems, über ihr Projekt und die bestandene Feuertaufe bei der WM in München.

Die Macher von www.ippon.org

Matthias Fischer (29), 1. Dan, studiert Geschichte und Politik (Lehramt). Er ist Pressereferent des Hessischen Judo-Verbandes und Vorsitzender und Trainer des 1. JV Langen.

Marc Hampel (29), 2. Dan, ist Informatik-Student. Er arbeitet beim SV Erzhausen als Judo-Abteilungsleiter und Trainer und ist Inhaber der DJB-A-Kampfrichterlizenz.

Judo Magazin: Wie ist die Idee zu dem Turnierinformationssystem entstanden?

Matthias Fischer: Ganz am Anfang stand eine Turniersoftware, die ich für meinen Verein, den 1. JV Langen, entwickelt habe. Mein zweites Betätigungsfeld war das Internet: erst mit der Erstellung einer Vereins-Homepage und dann als Pressereferent mit der Erstellung der Homepage des Hessischen Judo-Verbandes. Aus der Verküpfung ist schließlich die Idee zu der Software entstanden. Anlass war dann das World Masters 2001 in München, das erstmals vom DJB in eigener Regie ausgeführt wurde. Damals wurden Helfer gesucht und ich hatte mich für den Teil "Internet und Ergebnisse" bereit erklärt mitzuhelfen und daraufhin die erste Version der Internet-Software entwickelt.

Marc Hampel: Ich hatte mir damals, als Matthias in München war, zu Hause die Internetseiten des World Masters angeschaut. Nach dem Turnier haben wir miteinander telefoniert und ich habe meine Meinung dazu gesagt. Und ich habe auch gesagt: "Also, beim nächsten Mal möchte ich nicht zu Hause sitzen, sondern wäre lieber dabei."

Matthias Fischer: Dann kam Wolfgang Dax-Romswinkel vom Beueler JC dazu. Er hatte www.ippon.org gesehen und erkannt, was in der Idee steckt. Er hat mich gefragt, ob wir das System nicht bei der IDEM in Bonn 2001 einsetzen wollen. Ich habe dann auf seine Anregung hin für die IDEM noch die Möglichkeit eingebaut, die Ergebnisse vom Turnier in Echtzeit abzurufen. Das heißt, man konnte sofort, wenn ein Kampf gelaufen war, das Ergebnis auch im Internet abfragen. Hinzu kam, dass wir in Bonn das System auch als Halleninformation genutzt haben: die Ergebnisse aus dem Internet wurden einfach wieder in die Halle zurückgeholt und standen an großen interaktiven Boards den Kämpfern, Trainern und Zuschauern vor Ort zur Verfüguing. Die Arbeit an dem Info-System vor Ort war nun nicht mehr alleine zu bewerkstelligen und so habe ich Marc um Mithilfe gefragt. In Bonn hat sich dann entschieden, dass das Sydtem auch bei der Weltmeisterschaft in München eingesetzt wird.

Wie ist das Internetangebot angenommen worden?

Matthias Fischer: Sehr gut. Auf den Seiten hatten wir zum Beispiel 600.000 Zugriffe bei der Weltmeisterschaft 2001 und bei der Europameisterschaft in diesem Jahr etwa 400.000.

Marc Hampel: Es gibt da eine schöne Geschichte. Ein Mann aus Finnland schrieb uns: "Ich bin auf Euren Seiten und schreibe meinem Sohn, der vor Ort in der Halle in München sitzt, aus Finnland per SMS Informationen, wie es gerade so steht."

Was ist die Technik hinter dem Informationssystem?

Matthias Fischer: Dahinter steckt einfach die Idee, den Aufbau der Internetseite und den Inhalt voneinander zu trennen. Wenn ein Kampf beendet ist, geben wir die Ergebnisse in eine Datenbank ein. Wenn ein Nutzer eine Information haben will, liefert die Datenbank die aktuellsten Ergebnisse. Den Vorteil ist also, dass das Ganze kein statisches System ist. Dadurch sind z.B. auch alle Statistken automatisch immer auf dem neuesten Stand.

Welche Informationen kann ein Nutzer erhalten?

Matthias Fischer: Das Wichtigste sind natürlich detaillierte Informationen über die Wettkämpfe, also der Fortgang des Turniers, die einzelnen Wertungen, Kampfzeiten unbd erfolgreiche Techniken. Oft gibt es auch noch Fotos zu einzelnen Kämpfen oder vom Wettkampfort. Ferner können z.B. eine Übersicht der teilnehmenden Nationen oder verschiedenbe Statistiken über das Turnier abgerufen werden.

Und das schafft man alles zu zweit?

Marc Hampel: Wenn der Tag 36 Stunden hätte -- ja.

Matthias Fischer: Eigentlich ist es Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, dass es bei der Weltmeisterschaft ein Zwei-Mann-Unternehmen war. Das geht nur mit viel persönlichem Engagement. Wir waren in München jeden Tag die Letzten in der Halle, wir haben diese erst nachts zwischen eins und vier verlassen, und gehörten morgens wieder zu den Ersten. Mittlerweile rücken wir aber verstärkt auf die großen Events an. Zum Beispiel ist Wolfgang Dax für die Hardware der Boards bei der Halleninformation zuständig.

Sie sind beide Studenten. Wie stark hat Sie die Arbeit beim Studium aufgehalten?

Matthias Fischer: Also allein die Vorbereitung für die Weltmeisterschaft in München hat mich locker ein Semester gekostet. Insgesamt sind es bestimmt zwei bis drei Semester, in denen ich statt Hausarbeiten schreiben und Scheine sammeln Arbeit und Zeit in die Entwicklung des Info-Systems gesteckt habe. Und die Arbeit ist natürlich nie vorbei, weil einem immer wieder neue Features einfallen.

Marc Hampel: Bei mir ist es nicht soviel. Die Entwicklungsarbeit erledigt Matthias. Ich bin nur manchmal die Meckertante, die sagt, ich hätte gerne dies und jenes anders.

Matthias Fischer: Marc ist hauptsächlich der Administrator vor und während des Turniers, er füllt das System mit Leben. Das heißt, er ist für die Erfassung und Pflege der Daten zuständig.

Haben sich die Bemühungen auch finanziell ausgezahlt oder ist es eher eine Liebhaberei?

Marc Hampel: Finanziell hat es sich bislang noch nicht so sehr ausgezahlt. Bis jetzt sind wir in einer Art Test- und Präsentationsphase, um unser Produkt bekannt zu machen. Andererseits haben wir nach der Weltmeisterschaft noch den Grand Prix in Sevilla begleitet, wir waren in Moskau, Paris, Maribor und im August in Basel. So gesehen sind das schon einige sehr interessante Erfahrungen.

Sind durch diese Einsätze auch andere Verbände aufmerksam geworden?

Marc Hampel: Wir waren zum Beispiel bei den British Open in London und da gab es Anfragen und Gespräche für weitere Veranstaltungen.

Matthias Fischer: Bei der Weltmeisterschaft in München ist vor allem die Europäische Judo-Union auf unser Info-System aufmerksam geworden Interessant erschien vor allem die Möglichkeit, die neuen Turnierformen wie den Grand Prix ansprechend im Internet zu präsentieren und gleichzeitig ein Halleninformationssystem zu haben. Im Auftrag der EJU werden wir nun auf den großen Judo-Events dabei sein.

Wird es in Zukunft die Möglichkeit geben, auch bestimmte Kämpfe oder Kampfszenben im Internet verfügbar zu machen?

Matthias Fischer: Technisch ist das überhaupt kein Problem, eher rechtlich und finanziell. Für die großen Veranstaltungen liegen die Rechte für das Übertragen von bewegten Bildern meist bei den Vermarktungsfirmen, die durch das Internet natürlich keine Konkurrenz haben wollen. Außerdem bräuchten wir dann nich einen Sponsor, der uns dieses Übertragungsvolumen finanziert.

Sind neue Projekte angedacht?

Marc Hampel: Wir arbeiten momentan noch an einem Projekt, wo in einer Datenbank alle internationalen Erfolge von Wettkämpfen erfasst werden. Das Ganze ist aber noch nicht spruchreif.

Matthias Fischer: Langfristig wollen wir mit dem System auch eine Community aufbauen: Es soll mehr Interaktion und Kommunikation untereinander geben, so dass sich auch die User kennen lernen und sehen: Wir sind eine Judo-Gemeinschaft.

(Bericht aus Judo Magazin 11/02)