In der letzten Woche der hessischen Schulferien fand wieder die Sommerschule des hessischen Judoverbandes statt. Bereits seit elf Jahren kommt Shiro Yamamoto (8. Dan) nach Nieder-Roden und unterrichtet eine Woche lang interessierte Judoka aus ganz Deutschland. Shiro Yamamoto ist sportlicher Direktor des Kodokan, des Zentrum des Judo.
An den Vor- und Nachmittagen fand jeweils eine Trainingseinheit mit den
japanischen Lehrern statt. Abends konnte man in einer weiteren Trainingszeit
noch einmal die neuen Techniken wiederholen und üben. Vom 1. Judo-Verein
Langen haben vier Kinder (v.l.: Darius Jourdan, Vanessa Tyminski, Maximilian Bauer,
und Nils Hoffmann) und deren Trainer (v.l.: Marcel Röhl [TGS Walldorf], Thomas Rahn, Nils Oth,
Maros Simo) teilgenomen. Im Rahmen der Sommerschule haben Marcel Röhl (TGS Walldorf, ganz links)
und Thomas Rahn die Prüfung zum 2. Dan abgelegt.
Den Anfang jeder Trainingseinheit bildete die gemeinsame Gymnastik. Kazuya Okawa (5. Dan) ist Polizeimeister in Yokohama. Er war bereits im vergangenen Jahr in Nieder-Roden und ist gerne wieder nach Deutschland gekommen. Zum Aufwärmen gab es Laufen in vielen Varianten, dann Übungen zur Schulung der Geschicklichkeit und des Gleichgewichtsgefühls (Rollen, Handstand, usw.), Dehnen und Recken, und Judo-Rollen in allen Formen.
Ein Großteil der Teilnehmer trainierte dann weiter bei Okawa. Diese Trainingsgruppe übte viele Judo-Techniken, von grundlegenden Wurftechniken bis hin zu Wettkampf-typischen Kombinationen. Vielen Judoka, die bereits einige Jahre ihre Sportart betreiben, sind diese Techniken zwar schon lange bekannt, aber erst durch viele Wiederholungen und auch andere als die gewohnten Trainings-Formen im Heimat-Verein können die Techniken verbessert werden.
Nur durch viele Wiederholungen können die Bewegungsabläufe automatisiert werden. Es gilt auch im Judo das Sprichwort: 'Übung macht den Meister'. Oder wie es Yamamoto ausdrückte: "Eine Treppe geht man Stufe für Stufe nach oben. Um oben anzukommen, darf man nie aufhören weiterzugehen; man kann aber auch nicht in einem Satz auf die oberste Stufe springen."
Dan-Träger und auch einige der Kyu-Grade lernten unter der Anleitung von Sensei Yamamoto klassische Kata. Es wurden die Kime-no-kata und die Ju-no-kata geübt. Kata ist eine Übungsform, bei der die Techniken, Schritte und Bewegungen genau vorgegeben sind. Eine exakte Ausführung erfordert eine sehr gute Beherrschung der Techniken, Gleichgewichtsgefühl, Kraft, Timing und hohe Konzentration von beiden Partnern.
Die Ju-no-kata demonstriert das Prinzip des Nachgebens. Der Verteidiger weicht dem Angriff aus und wartet auf eine günstige Gelegenheit, das Gleichgewicht des Angreifers zu brechen. Dazu führt er die Bewegungen des anderen weiter. Der Angreifer ist besiegt, wenn er nicht mehr fest auf der Matte steht. Er erkennt seine Niederlage durch Abschlagen an (Maitta).
Die Techniken der Kime-no-kata sind traditionellen Schulen der Selbstverteidigung entlehnt. Es werden insbesondere auch Abwehrtechniken gegen Angriffe mit Dolch (Tanto) und Schwert (Katana) demonstriert. Der kriegerische Geist dieser Kata erinnert an die Ursprünge des Judo, an das traditionelle Jiu jitsu.
Am Ende der Trainingszeit haben alle Teilnehmer wieder zusammen trainiert. Die Dan-Träger wurden von den Kyu-Graden zum Randori aufgefordert. Das Randori ist ein Übungskampf, bei dem beide Partner versuchen, ihre Techniken erfolgreich anzuwenden. Es soll geübt werden, die erlernten Techniken auch in einer freien Bewegung anzuwenden. Dabei wird aber nicht verbissen miteinander gerungen und Kraft gegen Kraft gesetzt. Vielmehr gilt es, ein schnelles, flexibles und 'schönes' Judo zu machen. Für die Dan-Träger, die nicht nur erfahrener sind sondern meist auch um einiges größer als die Kinder und Jugendlichen, ist das Prinzip von 2-zu-1 wichtig: Erst, wenn der Schüler zwei erfolgreiche Angriffe hatte, darf auch der Ältere einen ernsten Angriff starten.
"Insgesamt eine anstrengende, aber sehr lehrreiche Woche", so das Resume der Teilnehmer.
(tr)