Auch dieses Jahr haben vier Vereine aus Hessen und Nordrhein-Westfalen zusammen eine Sommerfreizeit auf der Wewelsburg bei Paderborn ausgerichtet. Das verbindende Element für die Vereine aus Langen und NRW (TG Hilgen, Wermelskirchener Turnverein und JC Halver) ist natürlich die gemeinsame Sportart Judo. Aber die Sommerfreizeit bietet für die Teilnehmer mehr als nur Training den ganzen Tag. In diesem Jahr hatten die Betreuer den Themenschwerpunkt auf die Römerzeit gelegt.
Die Anreise erfolgte am Sonntag Nachmittag. Die erste Bewährungsprobe für die Betreuer war es dann, die 34 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren auf die Zimmer zu verteilen. Gleich nach dem Abendessen wurde bei einer ausgiebigen Wanderung in die beginnende Abenddämmerung hinein die Umgebung erkundet. In einem alten Steinbruch entdeckte die Gruppe dabei einen Legionsadler und einen Schild, zusammen mit einer lateinischen Nachricht. Diese Gegenstände wurden natürlich vorher geschickt platziert. Damit war dann auch das übergreifende Thema eingeführt, auch wenn ein Junge meinte: “Der ist ja gar nicht echt, da sind ja Schrauben drin, die gab es bei den Römern doch gar nicht.”
Eine große Attraktion der Freizeit ist immer das Basteln. Hier gehen die Kinder mit großer Begeisterung ans Werk. Für dieses Jahr hatten die Organisatoren aber ein sehr anspruchsvolles Ziel: Es wurden nicht nur Kurzschwerter und Schilde gebaut, vor allem sollten die Kinder sich eine Lamellen-Rüstung, eine sog. Lorica segmentata, bauen. Für diese Rüstung waren kistenweise Alu-Bleche und eine schier unglaubliche Menge an weiteren Einzelteilen besorgt und vorbereitet worden.
Die Kinder durften am nächsten Morgen loslegen, die Kanten und Ecken von vorgeschnittenen Alublechen rund zu feilen. Mit Nieten und kleinen Lederbändchen wurden die Einzelteile miteinander verbunden. Allein dafür wurden 8000 Nieten platt gedrückt. Schon im Vorfeld war befürchtet worden, dass der Bau dieser Rüstung eine Herausforderung an Ausdauer und Geschick der Teilnehmer wird. Und tatsächlich mussten die Betreuer einspringen und haben an einigen Abenden die Arbeit der Kinder fortgeführt. Am Ende waren die Rüstungen aber einsatzbereit.
Leider hatten die Judoka mit dem Wetter nicht so viel Glück wie in den vergangen Jahren. Der regelmäßige Dauerregen an den ersten Tagen ließ es einfach nicht zu, am Nachmittag oder Abend noch lange im Freien zu bleiben. Und so wurden kurzfristig ein paar mehr Trainingseinheiten angeboten. Dabei zeigten die Trainer aus den unterschiedlichen Vereinen aber nicht nur Judo-Techniken. In einer der Übungsstunden wurde Tai Chi gezeigt, in zwei weiteren konnten die Kinder erleben, wie viele anstrengende Übungen man mit einem Luftballon oder mit kleinen Gummibändchen machen kann.
Erst am letzten Tag hatte Jupiter ein Einsehen. Bei strahlendem Sonnenschein konnten die Kinder in Tunika und Panzer zum abschließenden Wettkampf ziehen. Mit ihren glänzenden Rüstungen bot die Gruppe schon von Weitem einen beeindruckenden Anblick.
Auf einer großen Wiese standen dann vier Gruppen miteinander im Wettstreit. Zunächst wurde der Umgang mit Schild, Kurzschwert und Bogen geübt. So musste sich eine Gruppe durch geschickten Einsatz der großen Schilde gegen heran fliegende nasse Schwämme schützen, die von einer anderen Gruppe mit besonders viel Engagement geworfen wurden. Im Ziel angekommen gab es nur Punkte für Mitspieler, die nicht getroffen wurde. Ebenso konnten die Gruppen beim Bogen Schießen und dem Zielwerfen mit einem Pilum Punkte sammeln.
Mit Kurzschwertern aus Kunststoffschaum wurde der Zweikampf geübt. Hier merkten die Kinder schnell, dass eine Rüstung zwar gut schützen mag, aber auch die dünnen Alu-Bleche bei etwas Anstrengung sehr schnell schwer werden und es in der Sonne darunter auch sehr warm wird.
“Wir haben jetzt erstklassige Rüstungen.” meinte dazu Dr. Jörg Steinwascher, Hauptinitiator der Freizeit, “Die werden wir im nächsten Jahr wieder benutzen können. Ideen haben wir noch ganz viele.”
Einige Jugendliche und Erwachsene haben ihren Aufenthalt um einen Tag verlängert. Eine Wanderung am Vormittag führte sie zu einem Kletterfelsen. Hier konnten sie Mut und Geschick beim Abseilen beweisen. Eine Trainingseinheit am Nachmittag bot dann die letzte Gelegenheit, noch vorhandene Energie beim lockeren Raufen aufzubrauchen.
(trr)