Der Besuch in Oppeln wurde uns durch die beiden polnischen Judoka Andreas Sroda und Janusz Wincencziak ermöglicht. Beide stammen aus Oppeln und haben ihre Judo-Karriere dort begonnen.
In der Zeit vom 1. bis zum 4. Oktober unternahm der
1. Judo-Verein Langen eine Fahrt nach Polen. Ziel war das an der
Oder gelegene Opole, ehemals Oppeln, etwa 50 km nördlich der
tschechischen Grenze.
In Opole gibt es ein Judo-Leistungszentrum in Form einer Sportschule, wo neben dem normalen Unterricht jeden Tag Training stattfindet. Für den Langener Verein war es der erste Kontakt zu den polnischen Judoka, der durch Andreas Sroda, einem ehemaligen polnischen Nationalkämpfer, der seit zwei Jahren bei den Langenern als Trainer und Kämpfer aktiv ist, ermöglicht wurde.
Die Abfahrt war für den 1. Oktober um fünf Uhr in der früh angesetzt. Nach dem Einladen des Gepäcks in den Bus konnte es pünktlich losgehen. Die 23 Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren, sowie die zehn Betreuer fieberten der Reise entgegen. Der größte Teil der Fahrt führte durch die neuen Bundesländer und durch Polen, so daß es auch landschaftlich Interessantes zu sehen gab. In Görlitz wurde die Grenze nach Polen überschritten . Die etwa vierzehn stündige Fahrt war Dank der zahlreichen Pausen und des komfortablen Busses weniger anstrengend als erwartet und wurde gut überbrückt.
Am frühen Abend in Opole angekommen, war es bereits dunkel; die Zimmer in dem direkt an der Oder gelegenen Sporthotel wurden bezogen, und nach dem Abendessen konnten sich alle Beteiligten in die Betten fallen zu lassen.
Am nächsten Tag war vormittags Training in der Sportschule angesagt. Wer sich
unter der Sportschule ein graues modernes Beton-Gebäude am Rande der Stadt
vorgestellt hatte, wurde (angenehm) überrascht: die Sportschule war mitten in
der Stadt in einem normalen Gebäude untergebracht. Der große Trainingsraum mit
den gut gefederten Matten und zusätzlichen Turngeräten ermöglichte den Langener
Judoka ein ideales Training, das zum Abschluß mit einer Partie Völkerball
aufgelockert wurde.
Nach dem Duschen ging es zum Mittagessen in das ehemalige, inzwischen privatisierte Polizei-Casino, wo die Langener Judoka alle Mahlzeiten einnahmen. Vom Hotel aus war das Casino in einem bequemen Spaziergang entlang dem Ufer der Oder zu erreichen. Von dort war es auch zur Sportschule nicht mehr weit; durch diese zentrale Lage konnte alles zu Fuß erledigt werden, und man war auf den Bus nicht angewiesen. Der Freitagnachmittag wurde zur Stadtbesichtigung und zum Einkaufsbummel genutzt.
Abends ging es zurück zur Sportschule, und während sich ein Teil mit Fußballspielen begnügte, machten sich die Betreuer an die Vorbereitungen für den nächsten Tag: ein gemeinsamer Wettkampf mit den polnischen und deutschen Judoka war geplant.
Zusätzlich zu den Kämpfern aus Opole reiste noch ein Verein aus der Nachbarstadt an, so daß neben den 22 Judoka aus Langen noch gut 80 polnische Jugendliche teilnahmen, darunter auch polnische Meister und Vizemeister.
Die polnischen Betreuer und Trainer zeichneten sich durch ihre hervorragende Organisation für den einwandfreien Ablauf des Turniers aus . Sogar ein Fernsehteam des dortigen regionalen Fernsehens war anwesend und übertrug die Kämpfe.
Für die Langener war es schwer, sich gegen die auf recht hohem Niveau kämpfenden polnischen Judoka durchsetzen zu können, dennoch konnten einige Siege davongetragen werden.
Im Anschluß an das Turnier verteilte der Langener Verein sein Gastgeschenk an die polnischen Jugendlichen: ein bedrucktes T-Shirt mit dem Vereins-Enblem hintendrauf. Die polnischen Gastgeber revanchierten sich mit einer Leinenfahne mit bedrucktem Judo-Motiv für jeden Langener.
Für den letzten Abend war eine Abschlußfeier vorgesehen. Mit dem Bus fuhren die Langener Judoka mit einigen polnischen Betreuern und Kindern ein Stück aus Opole raus zu einem Privatgrundstück. Dort erwartete die Judoka ein Spanferkelessen. Nach dem Essen entwickelten sich verschiedene Aktivitäten: es wurde zusammengesessen und geplaudert, an einem angrenzenden Sportplatz Ball gespielt, ein kleines Lagerfeuer wurde entfacht...
Noch nicht allzu spät am Abend mußte man wieder in Richtung Hotel aufbrechen, da die Heimfahrt am nächsten morgen früh angesetzt war, und die zwei Busfahrer ihre vorgeschriebene Schlafzeit brauchten. Die Rückfahrt verlief wie im Fluge, denn unsere Jugendlichen waren derart begeistert, daß sie den doch recht langen Weg von 85o km nutzten, um mit Andreas Sroda, unserem Trainer und Kämpfer, einen ersten “Polnisch-Kurs für Anfänger” zu absolvieren . Am Abend trafen die Jugendlichen voller neuer Eindrücke wieder in Langen ein und konnten hochzufrieden in die Herbstferien gehen .
Für alle, die an der Fahrt teilnahmen, war es ein rundum gelungener Versuch,
Sport, Spaß und ein bißchen Völkerverständigung in der so kurzen (und viel zu
schnell vergangenen) Zeit von vier Tagen, unter einen Hut zu bringen. Diese
erste Fahrt, dieser erste Kontakt zu den polnischen Judoka wird sicherlich nicht
der letzte sein... Und so freuen sich alle Beteiligten, nächstes Jahr die
polnischen Judoka zu einem Gegenbesuch bei uns zu begrüßen.