Ju-Jutsu ist die moderne Selbstverteidigung für die Praxis des täglichen Lebens, optimal, leicht erlernbar und vielseitig anwendbar. Doch angefangen hat es nach der Jahrhundertwende (19. auf 20. Jahrhundert) in Europa mit dem Jiu-Jitsu, der Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Die in ihm enthaltenen Elemente wurden im Judo, aber auch im Karate, Aikido usw. fortentwickelt und spezialisiert. Für eine umfassende Selbstverteidigung ist jede dieser Disziplinen jedoch nur ein Teil des Ganzen geblieben. Die Vollkommenheit liegt in der Zusammenfassung zu einem System.
Das Ju-Jutsu beinhaltet mehr, als der Name allein zu erkennen gibt. "Ju" bedeutet nachgeben oder ausweichen, "Jutsu" Kunst oder Kunstgriff. Ju-Jutsu ist also die Kunst, durch Nachgeben bzw. Ausweichen mit der Kraft des Angreifers zu siegen. Falls erforderlich, kann ein Angriff jedoch auch in direkter Form mit Atemi-Techniken abgewehrt werden. Dieses "ökonomische Prinzip", nämlich "ein gesetztes Ziel mit geringstem Aufwand erreichen", gilt als der übergeordnete Begriff, unter dem sich die Bewegungsprinzipien der Budo-Disziplinen subsumieren. Die Techniken wurden aus den bekannten Budo-Disziplinen Judo, Karate und Aikido ausgewählt. Alle können in harter oder weicher Form nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit angewandt werden. Sollen die Techniken nach ihrer Herkunft auch in der Selbstverteidigung zur Gänze wirksam werden, müssen ihre Prinzipien beachtet werden. "Wirksamkeit" heißt nicht Kraft oder Gewalt, sondern gute Technik nach den Budo-Prinzipien, die es auch dem Schwachen möglich macht, sich erfolgreich gegen einen oder mehrere stärkere Angreifer verteidigen zu können.
Ein Einstieg ins laufende Training ist grundsätzlich immer möglich. Jedes Training beinhaltet ein anderes Thema. Die Trainingsgruppe besteht gleichermaßen aus Anfängern und Fortgeschrittenen.
Erst um die vorgenannte Jahrhundertwende wurde das Ju-Jutsu -
insbesondere durch Matrosen eingeführt - auch in Europa als
Jiu-Jitsu bekannt. Die Griffe und Schläge wurden im Laufe der
Zeit mit Ringergriffen und Boxtechniken vermengt und als
Selbstverteidigung propagiert. Es entstand sozusagen ein
"europäisches Jiu-Jitsu", eine Art Verteidigung, bei der wenig
vom "nachgebenden" oder "ausweichenden" Prinzip zu erkennen war.
1906 war es Erich Rahn, der in Berlin die erste Jiu-Jitsu-Schule
gründete und sich damit das historische Verdienst erwarb, die
edle Kunst der japanischen Selbstverteidigung in Deutschland
etabliert zu haben. Seine Schule besteht noch heute in Berlin.
1922 folgten u.a. die bekannten Altmeister Alfred Rhode in
Frankfurt/Main und Otto Schmelzeisen in Wiesbaden mit Vereinsgründungen.
Sie waren die deutschen Pioniere des Jiu-Jitsu und Judo.