Im Judo wird Kata oft gleichgesetzt mit den Kodokan Katas, die für Dan-Prüfung demonstriert werden müssen. Tatsächlich ist Kata im ursprünglichen Sinn aber sehr häufig im Trainingsalltag zu finden. Ein wesentliches Merkmal von Kata als Trainingsform ist, dass beide Partner vorher abgesprochene Techniken üben.
Auch im Anfängertraining lassen sich Katas sinnvoll einsetzen. Dabei ist die Kata sowohl Gedächtnisstütze für die erlernten Techniken als auch eine mit Namen bekannte und daher leicht wiederholbare Übungsform. "Kata-Training als Ergänzung zum Techniktraining bei Jugendlichen" wird von Ralf Pöhler in einem Beitrag zum Breitensport-Workshop 1998 beschrieben (siehe Artikel bei www.judo-praxis.de ).
Ein gutes Beispiel ist der Haltegriff-Kreis. Diese Übung wird bei uns bereits früh im Anfängertraining eingesetzt.
Vorteile für das Training sind :
Im Anfängertraining werden die Haltegriffe oft in einer besonderen From geübt: dem Haltegriff-Kreis.
Bei dieser Boden-Kata wechselt Tori (das ist der, der festhält) in der vorgegebenen Reihenfolge durch mehrere Haltegriffe durch. Für die Wechsel nutzt er die Befreiungsversuche von Uke geschickt aus.
Uke (das ist der, der festgehalten wird) hilft seinem Partner beim Üben, indem er nur gerade so viel Gegenwehr leistet, dass Tori ihn mit Mühe festhalten kann. Außerdem versucht Uke sich so zu befreien, dass der beschriebene Wechsel der Haltegriffe möglich ist.
Die Techniken können und sollen rechts wie links geübt werden.
Vor der Übung begrüßen sich die Trainingspartner im Knien.
In der Ausgangssituation hält Tori Kuzure-Kesa-gatame. Wichtig ist
Uke wehrt sich. Er versucht, sich freizuschaukeln und dabei seinen rechten Arm freizubekommen.
Tori reagiert sofort und schiebt Ukes Arm am Ellbogen zwischen die Köpfe. Dort wird der Arm wieder fest eingeklemmt. Tori greift mit dem rechten Arm um Ukes Kopf. Er wechselt die Beine. Er kniet mit rechts eng an Ukes Hüfte. Das linke Bein ist zur Seite ausgestreckt. Tori drückt mit seinem gesamten Gewicht auf Uke.
Uke wehrt sich. Er versucht, mit den Beinen nach hinten über den Kopf wegzurollen. Wenn Uke mit seiner Hüfte sehr beweglich ist, dann muss Tori reagieren.
Tori behält den Arm von Uke eingeklemmt. Er zieht sein linkes Bein an das rechte heran. Dann steigt er mit dem rechten Bein über Uke. Er sitzt jetzt auf Ukes Bauch. Die Beine werden in Ukes Beine eingehängt. Bei diesem Wechsel darf Tori nie das Gewicht von Ukes Oberkörper und Kopf wegnehmen.
Uke wehrt sich. Er versucht, mit der freien Hand Toris Bein wegzuschieben um es zu klammern.
Tori reagiert auf die Befreiungsversuche, indem er das rechte Bein weiter nach außen stellt. Dann kann es nicht mehr weggeschoben werden. Er steigt dann auch mit dem linken Bein über Uke und liegt nun flach auf Ukes Bauch. Tori streckt beide Beine und stellt die Füße auf. Er stützt sich nur auf seinen Füßen und Ukes Bauch ab. Dadurch wird Uke stark belastet. Tori wandert mit den Füßen seitlich weiter, so dass er im rechten Winkel zu Uke liegt. Die Beine sind leicht gespreizt, damit Tori sich besser abstützen kann. Die linke Hand fasst um Ukes Bein herum und dann in dessen Gürtel oder Jacke.
Uke wehrt sich. Er versucht, seinen linken Arm unter Tori hindurch zu schieben. Mit beiden Händen greift Uke die Jacke von Tori und versucht, Tori anzuheben und in Richtung seines Kopfes zu drücken. So gelingt es Uke, unter Tori hindurch zu rutschen. Dabei rutscht Ukes Kopf aus Toris rechtem Arm heraus.
Tori fasst mit der rechten Hand weiter unter Ukes Arm hindurch. Mit der linken Hand lässt er das Bein los. Er fängt damit den linken Arm von Uke ein. Er drückt Ukes Arm eng an dessen Körperseite. Er läuft nun mit den ausgestreckten Beinen auf einem großen Kreisbogen um Uke herum, indem er den linken Fuß fast an den rechten heranzieht und dann denn rechten wieder weiter nach außen setzt. Tori soll schließlich in gerader Linie mit Uke liegen, die Beine sind weit auseinander abgestützt. Er liegt dann mit seinem Oberkörper auf Ukes Kopf. Die linke Hand greift unter Ukes Arm hinduch den Gürtel. Tori streckt beide Beine aus und stützt sich nur auf seinen Füßen und Uke ab.
Damit ist der Haltegriffkreis abgeschlossen. Tori löst den Haltegriff und die beiden Partner tauschen ihre Rollen.
Nach Abschluß der Übung verabschieden sich die Trainingspartner wieder im Knien.
Als Variation können die Haltegriffe in umgekehrter Richtung gezeigt werden. Bei der folgenden Beschreibung sind auch die Befreiungsversuche von Uke aufgeführt. Sie können beim ersten Üben entfallen.
Es wird mit Kuzure-Kesa-Gatame begonnen. Uke rutscht mit seinen Beinen weg und drückt sich auch mit beiden Armen von Tori weg. Tori dreht sich mit seinem Bauch auf Ukes Kopf und belastet Uke. Die linke Hand greift unter Ukes Arm in den Gürtel. Tori stellt die Fußzehen auf und stützt sich nur auf den Füßen und Uke ab. Er läuft mit seitlichen Schritten etwas um Uke herum, so dass seine Beine schließlich in gerader Linie oberhalb von Ukes Kopf sind. Tori greift dann mit seinem rechten Arm ebenfalls unter Ukes Arm hindurch in dessen Gürtel.
Uke greift die Jacke in Toris Rücken und versucht, Tori erst nach rechts, dann mit Schwung nach links zu drehen. Um nicht gedreht zu werden, schiebt Tori sein rechtes Bein weit unter dem linken hindurch. Er setzt sich dabei auf die rechte Gesäßseite. Er sitzt seitlich neben Uke. Tori lässt die linke Hand los. Er dreht sich sofort wieder auf den Bauch. Dazu schwingt er das linke Bein über das rechte. Die freie linke Hand umfasst Ukes Bein von innen und greift den Gürtel oder die Jacke. Die rechte Hand greift um Ukes Kopf. Tori hält Yoko- shio-gatame. BeimWechsel muss Uke ständig mit dem Oberkörper belastet werden, damit er sich nicht wegdrehen kann.
Uke schaukelt oder drückt seine Hüfte mit den Beinen. Er will Platz schaffen, um sich unter Uke zu drehen. Tori wechselt dann zu Tate-shio-gatame. Dazu schiebt er wieder sein rechtes Bein unter dem linken hindurch. Dabei schiebt er seinen Oberkörper bereits etwas vor und belastet Uke stärker auf Brust und Schultergürtel. Er löst die linke Hand und greift Ukes rechten Arm. In einer Bewegung steigt Tori mit seinem linken Bein über Uke und schiebt gleichzeitig Ukes Arm mit der linken Hand zwischen die Köpfe. Ukes Arm wird festgeklemmt. Die Beine werden eng an Ukes Körper gepresst
Uke drückt erst mit dem eingeklemmten Arm sehr stark gegen Toris Kopf. Dann versucht er, Toris Bein am Knie wegzuschieben und dann zu klammern. Tori rutscht etwas in Richtung von Ukes Kopf. Dadurch kann er das bedrohte rechte Bein weiter anziehen. Sein linkes Bein wird etwas nach außen versetzt. Tori beugt sich leicht nach vorne und belastet dadurch die Schulter und den Kopf von Uke sehr stark. Er steigt mit seinem rechten Bein über Uke hinweg. Er setzt das rechte Knie neben Ukes Hüfte auf die Matte. Dann streckt er das linke Bein aus und stützt sich ab. Damit ist Kata-Gatame erreicht.
Uke versucht weiter, sehr stark mit dem eingeklemmten Arm gegen Toris Kopf zu drücken. Spätestens wenn es Uke gelingt, den Arm herauszuwinden, wechselt Tori zuu Kesa-gatame. Tori schiebt das rechte Bein weit nach vorn unter den rechten Arm von Uke. Er setzt sich eng neben Uke und blockiert mit seinem Bein Ukes Schulter. Mit seinem linken Arm fängt er Ukes Arm ein und klemmt ihn eng ein. Dies ist die letzte Technik, Hon-Kesa-Gatame.
Im Anschluß zum Tate-shio-gatame kann weiter zu Kuzure-Kami-Shio-gatame und dann Kuzure-Kesa-gatame-gewechselt werden. Von dort wird zu Hon-Kesa-gatame umgegriffen.
In umgekehrter Richtung kann an Hon-Kesa-gatame leicht Kuzure-Kesa-gatame angeschlossen werden.
(tr)