Da taten sich einige Sportfreunde um die drei Langener Rodner, Riemer und Bobsin zusammen. Sie beschlossen kurzerhand, diese damals exotische Sportart, die manch einer nur vom Hörensagen kannte, nunmehr auch in Langen heimisch zu machen. Und damit zugleich kamen auch schon die ersten, ernsten Probleme; zwar war der Wille vorhanden, doch fehlte es damals an allen Ecken und Enden. Es gab weder eine geeignete Halle, noch eine Matte; auch kein erfahrener Judoka war vorhanden, der das Training hätte leiten können.
Man traf sich im Schwimmbad, trainierte dort gemeinsam, übte, schwitzte und schindete sich im wahrsten Sinne des Wortes überall und allerorten: Auf dem grünen Rasen, zwischen Bäumen und Sträuchern, neben dem Schuppen und den Schwimmbecken. Kaum ein Trainingsabend verging, ohne dass die Sportkleidung grasgrün gefleckt und schweißnaß mit nach Hause genommen werden mußte.
Diese heutzutage unvorstellbaren, widrigen Bedingungen änderten sich jedoch schlagartig mit dem Einzug in das, im Dachgeschoß der Ludwig-Erk-Schule befindliche „Tonnengewölbe”. Dort hatte der Judoverein ein „Dojo” gefunden. Nun konnte sogar bei schlechtem Wetter trainiert werden. Jetzt gab es auch eine richtig schöne Matte und die Mütter mußten nicht mehr über die grünen Flecken in der Judokleidung schimpfen. Ein echter Judoanzug konnte erspart werden. Und doch war auch hier nicht alles optimal. Nach einer halben Stunde Training war die Luft in dem Übungsraum total verbraucht, klimatisierte Räume gab es damals - noch - nicht. Auch eine Möglichkeit zum Duschen fehlte. Improvisation war alles.
Der damalige Hausmeister, Herr Lambert, der für die Langener Judoka stets Verständnis hatte, war um Abhilfe bemüht: So manches Mal hat er aus dem 1. Stock des Schulgebäudes eine Gießkanne auf die Häupter seiner abgekämpften Judoka entleert. Die vielen Kannen, die er geschleppt haben mag, hat indessen niemand gezählt.
Doch man war zufrieden - sehr sogar, denn man hatte mit dem Umzug in die Erk-Schule (heute noch Treffpunkt bei Abfahrten zu Meisterschaften) auch Trainer für sich gewinnen können, durch deren Können und Technik erst die großen Erfolge möglich wurden.
Neben den Sportfreunden Pempe und Becker war es vor allem Wolf-Dieter Paetsch, selbst äußerst erfolgreicher Judoka, der sich der Jugendarbeit widmete und viele Jugendliche zu Meisterehren führte.
Die Langener Judoka-Jugendlichen und -Junioren wurden in Hessen als ausgezeichnete Kämpfer bekannt und sind aus manchem Wettkampf oder Turnier als Sieger hervorgegangen. Der begehrte „Rauchhaupt-Pokal” blieb nach dreimaligem Gewinn in Langen, Peter Rehwald wurde Südwestdeutscher Einzelmeister, sein Bruder Erwin Rehwald war nicht minder erfolgreich.
Manfred Birod, der später viele Jahre hauptamtlich beim Deutschen Judobund als Lehrwart tätig werden sollte, wurde 1967 Deutscher Jugend- Einzelmeister und 1970 Dritter bei den Europameisterschaften der Jugend. Er legte in Langen den Grundstein für eine erfolgreiche Judokarriere.
Aber trotz all dieser großen Erfolge sind die Langener Judokas immer auf der Matte geblieben. Die Mannschaft des JVL errang bei den Hessischen Mannschaftsmeisterschaften der Senioren den 1. Platz, mehrere Titel bei den Hessischen Meisterschaften der Jugend, Junioren und Senioren konnten erzielt werden. Dieser Trend hielt über eine lange Zeit an, so dass Judoka wie Rainer Keim und Manfred Birod zeitweilig gar dem Olympiakader angehörten.
Dies war auch die Basis für die Aufstiegsrunden zur Kreis- und Bezirksklasse, bis hin zu Landes- und Oberliga bei den Mannschaftskämpfen der Senioren.
Ein erneuter Umzug sicherte dem Verein Fortbestand und Ausbau in Leistung und Erfolg. Der Gymnastiksaal der Albert-Einstein-Schule in Oberlinden ist inzwischen zum Dauer-Domizil des 1. Judo-Vereins Langen geworden. Hier fühlen sich die Verantwortlichen und Mitglieder des Vereins, nicht zuletzt wegen dem verständnisvollen und stets hilfsbereiten Hausmeister Heß, sehr wohl.
Mancher Trainer hat nach dem Weggang von Wolf-Dieter Paetsch die Leistungen der Judoka halten oder gar noch steigern können:
Armin Überscher der Bodenspezialist, Gunnar Kostjutschenko und Willi Moritz, selbst immer noch aktiv, der knallharte Ladislav Mikulic, der die Mannschaft, die inzwischen längst zu Senioren gereift ist, sicher durch manche Strecke der Oberliga geführt hat. Dass auch ihnen der 1. JVL Langen etwas bedeutet hat, bewies ihr (fast) vollzähliges Erscheinen auf der 40-Jahrfeier des Vereins, wo manche Erinnerungen ausgetauscht wurden.
Doch kam die größte Aktivität immer wieder aus den Reihen des Vereins selbst, der in ideenreicher Eigeninitiative das Training gestaltete und so eine ‘Kerntruppe’ auf der Matte zusammenhielt, die den Fortbestand des Vereins garantierte. Immer wieder fanden sich auch Mitglieder bereit, für ihren Verein, für ihre Kameraden ihre Freizeit fast zum Nulltarif zu opfern. Ohne das starke Engagement dieser Mitglieder als Trainer und Betreuer bei den zahlreichen Turnieren wäre das heute noch intakte Vereinsleben - nicht nur auf der Matte - undenkbar. Ihnen gilt an dieser Stelle unser besonderer Dank.
Diese Aktivitäten zogen weitere Kreise, denn aus der ehemaligen Karate-Abteilung ist inzwischen ein selbständiger Verein in Langen geworden.
Eine Kampfgemeinschaft mit den Judoka aus Neu-Isenburg ist für beide Seiten von Vorteil und längst hat sich herausgestellt, dass auch eine Mädchen/Damenabteilung genauso intensiv trainieren kann wie ihre männlichen Kollegen. Manch einer der „herr-lichen” Judoka ist beim gemeinsamen Training von den Damen schon „aufs Kreuz” gelegt worden. Vor allem auch im Kinder- und Jugendbereich sind die Judo-Damen eine ernstzunehmende Konkurrenz geworden. Ihr starkes Engagement im Training trägt deutliche Früchte in Form von erfolgreicher Teilnahme auf zahlreichen Meisterschaften.
Auch bei den Judoka liegt die Zukunft auf den Schultern der Jugend. Eine Generationslücke konnte gut geschlossen werden. Viele ehemalige Jugendliche, heute selbst Senioren, erinnern sich gerne und dankbar an ihre eigenen positiven Erfahrungen im Vereinsleben und versuchen, diese Erfahrungswerte weiter zu vermitteln und an die nächste Generation weiter zu geben.
Intensives Training Dienstag, Donnerstag und Freitag von 18.00-21.30 Uhr auf der Matte und zahlreiche Aktivitäten außerhalb der Matte wie Zeltlager, Judo-Safari, Auslandsfahrten usw. sollen den Fortbestand des Vereins für die nächste und weitere Zukunft sichern helfen.